Unvergessen

Von Klaus Bock

Die Welt ist mit dem Tod von Sissi Zizlsperger ein gutes Stück ärmer geworden, kälter...

Wer sich an die (alte) Galerie am Museum erinnert, der denkt natürlich auch an „Sissi“ Zizlsperger, die unvergleichliche Galeristin. Wer die Galerie betrat, betrat eine andere Welt, eine Welt des Glases, der Glaskunst und der Glaskünstler. Mit ein wenig Glück sass man am Tisch mit berühmten, gar weltberühmten Glaskünstlern. „das ist der, hhm, ja, woast schon...“ – damit war man vorgestellt, damit war man in den Kreis aufgenommen. Glücklich, wem das geschah...

Betrat man Sissis Welt, war man gleich der wichtigste Mensch in ihrem Universum. Die Welt hängt an Kristallsphären? Mag sein, dass das in der Realität irgendwann überwunden war – nicht so in Sissis Welt.  Die bestand nur aus kristallenen Sphären, sie bestand vollständig aus Glas. Kaum ein Moment, in dem Glas und/oder Glaskünstler*innen nicht das Zentrum ihrer Welt waren.

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Stunden-, ach was, tagelang konnte man mit ihr über neue Ausstellungen schwärmen, planen, verwerfen und neu fabulieren. Über die Glaserotika haben wir bei diversen Flaschen Rotwein, Bier und Holsteiner Schinken über Jahre – ich denke es waren mindestens 5 Jahre – hin- und her überlegt, geplant und verworfen.

Neue Ausstellungen in der Galerie am Museum planen – das war Sissis Ein und Alles, darin ging sie auf.

Tschechischem Glas galt ihre ganze Liebe, na gut, ein Großteil ihrer Liebe. Wie häufig waren wir in der Tschechischen Republik bei Künstlern, Hütten und Galeristen unterwegs... Was habe ich nur alles von ihr gelernt. Ich sage nur „Tartar“ (aber das verstehen nur Sissi und ich) und ich wahre unser Geheimnis.

War sie in einem Gespräch mit einem Künstler, vergaß sie alles – vor allem die Zeit. Ich habe einmal vier Stunden an einem Treffpunkt irgendwo tief in  der Tschechischen Republik gewartet – bis sie dann kam und völlig überrascht war, wie die Zeit vergangen war. Aber ich konnte ihr nicht böse sein. „Hhm, ja, woast schon...“

Sissi, wir werden Dich vermissen! Wahrscheinlich wird es wie immer werden: Erst tut es fürchterlich weh, dann wird es erträglich sein, und irgendwann wirst Du eine verblassendere Erinnerung sein – aber bei so manchen unser Sammlungsstücke, vor allem unserem Hochzeitsgeschenk, werden wir an Dich denken, versprochen.


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Bild Matthias (mit 2 t ) Sandau