Ab 17.11.: Verschlusssachen

Das Geheimnis um die Verschlusssachen. 

Sie können Alltagsgegenstand und Luxusgut gleichermaßen sein. Sie sind rein funktionell, bergen aber doch so manches Geheimnis in sich. Die Rede ist von gläsernen Karaffen.

86578011 carafe M2 fg 1Schon seit Generationen erfüllen sie die Aufgabe, Flüssigkeiten und Aromen sicher zu verwahren. In einer Zeit, in der sich die Menschen wieder vermehrt zu einer Tisch- und Trinkkultur bekennen, gewinnen Karaffen erneut an Bedeutung. Die Galerie am Museum hat deshalb eine Sonderausstellung nur zu diesem Thema gestaltet. Die Bandbreite der Ausstellungsstücke reicht von historischen Stücken bis hin zu ganz aktuellen, von Künstlern gestalteten Karaffen und Flakons.

Die Galerie am Museum ist immer wieder ein Anziehungspunkt für Glasfreunde. Bei den Besuchern sind Karaffen stets ein gefragtes Thema, wie Galeristin Elisabeth Zizlsperger festgestellt hat. Auch im aktuellen Katalog der Glashütte Eisch nehmen sie einen breiten Raum ein. Da Frau Zizlsperger selbst von Karaffen und Flakons, die in ihrem Innern die verschiedensten Köstlichkeiten und flüchtige Düfte bewahren und schützen, fasziniert ist, recherchierte sie immer weiter. So konnte sie jetzt eine Ausstellung zusammenstellen, die sich mit der Vergangenheit und Gegenwart der Karaffen und Flakons beschäftigt.

74378410 whiskykaraffe 1„Es geht mir im Besonderen um die Tradition der Schliffstopfen, denn nur durch diese eingeschliffenen Stöpsel kann der Flascheninhalt sicher verwahrt werden“, erklärt Elisabeth Zizlsperger. In der Ausstellung kann man aus diesem Grund auch spezielle Holz- und Eisenmodel für die Stopfen Herstellung sehen. Die Stopfen sind nämlich echte Handarbeit und keine Serienproduktion. „Jeder Stöpsel muss extra eingeschliffen werden, damit er genau passt“, lässt die Galeristin wissen. Die Stopfen sind kegelförmig. Um einen besseren Halt und ein dichteres Abschließen zu gewährleisten, sind sie angeraut. Zusammen mit dem innen ebenfalls angerauten Karaffenhals bilden sie einen Glas-auf-Glas-Verschluss. Diese Verschlussart gibt es nicht nur zum Verwahren von Getränken oder Parfüms, sondern findet sich auch bei Vorratsgefäßen im Chemiebereich.

Die Ursprünge der Karaffen reichen bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Anfangs wurde darin ausschließlich Wein aufbewahrt und serviert. Daraus entwickelten sich die mittlerweile allseits üblichen Weindekantierflaschen. Die Hochzeit der Karaffen-Produktion lag zwischen 1830 und 1930. Heute sind Karaffen wieder im Kommen. Es gibt sie für Essig, Öl, Badeöl, Tafelwasser und Spirituosen. So ist zum Beispiel die Whisky-Karaffe bei Kennern und Liebhabern ein absolutes „Must-have“.

73978410 whisky carafe fg 1„Tisch- und Trinkkultur sind ein Stück Lebensqualität und nicht überflüssiges Ritual. Der Trend geht dabei in Richtung Individualität“, so Elisabeth Zizlsperger. Das sieht man in der Ausstellung ganz deutlich, haben sich mit Heidi Breit, Alois Hechl, Kristian Klepsch jun., Thorsten Rötzsch, Rini Ronckers, Patrick Roth und Wilhelm Vernim doch eine Reihe von Künstlern mit dem Thema beschäftigt. Sie zeigen ganz individuelle Kreationen und verschiedene Herangehensweisen. So haben zum Beispiel Klepsch und Vernim bereits vorhandene Gläser mit dem Gravurrad veredelt, während der Lampenglasbläser Alois Hechl aus dem österreichischen Villach eine Serie von Karaffen geschaffen hat. Besonders bemerkenswert ist seine Karaffe mit dem „eingesprungenen Bullen“ – ein Stück, das er für den Getränkehersteller Red Bull entworfen hat.

Darüber hinaus wird die Flakon Sammlung von Cornelia Röttger mit außergewöhnlichen historischen Stücken gezeigt. Zu sehen ist weiterhin die Tintenfass- und Flakon-Sammlung von Monika Buhl Müller und Klaus Bock. Einen breiten Raum nehmen die aktuellen Karaffen aus dem Angebot der Glashütte Eisch ein. An der „Aromenbar“ können die Besucher unterschiedliche Aromen riechen und erraten. Sie ist ein Highlight der Eisch-Erlebniswelt GLASENSIUM und ein weiterer Baustein der Ausstellung.