Sue Parry

Sue Parry hat ihr Glasstudio in Stourbridge (West Midlands, England). Ihre in Frauenau hergestellten Glaskunstwerke entstanden durch die Technik des "Sand Casting", eine Methode, bei der Sandnegativformen mit flüssigem Glas ausgegossen werden. 

Sue Parry gießt formbaren Quarzsand auf ein Bett aus trockenem Sand. In die obere Sandschicht „zeichnet“ sie das Negativ ihres Bildes vom Gesamtumriss bis in die Details, wozu sie auch Abdrücke von Gegenständen, Fundstücken oder Natur- und anderer Materialien nutzt. Zum Schluss stäubt Sue farbiges Glaspulver über die gesamte Komposition im Sandbett. Anschließend wird die Negativform vorsichtig mit flüssigem Klarglas gefüllt. Danach formt und dreht die Künstlerin das noch ca. 1000°C heiße Glas mit ihren Händen, natürlich geschützt durch Schutzhandschuhe, und es nimmt eine dynamische Gestalt an. Jede Sandform kann nur einmal benutzt werden. Somit entstehen immer Unikate. 

Das nach ca. 2 Tagen ausgekühlte Glasrelief kann durch Polieren, Schleifen, Bürsten und andere „kalte“ Techniken abschließend bearbeitet werden.

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Aus der Ausstellung.

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SPA s 003 800Die Farbeffekte der aufgebrachten Granulate kommen nun im Spiel mit dem Licht voll zur Geltung, es entsteht eine faszinierende Oberfläche mit suggestiver Tiefenwirkung, die einzigartig für das Material Glas ist. Teilweise blickt der Betrachter in das aufgeschnittene Innere eines Objekts und es eröffnet sich ein reiches Spiel aus Lichtbrechungen mit großem sinnlichem Reiz. 

Sue Parry entwickelte eine weitere Gusstechnik, bei der sie die Form des Objektes auf eine heiße Stahlplatte mit einer dünn bestreuten Quarzsandschicht setzt. Darauf streut sie wiederum farbigen Glasstaub und arbeitet das Muster in den Sand (die großen Blätter der Bäume sind so entstanden). 

Für Sue ist der Akt des Gießens von geschmolzenem Glas direkt aus dem Feuer eine gefühlvolle und leidenschaftliche Erfahrung, die sich durch diesen seltsamen und schwer fassbaren Prozess der Kreativität in das Werk schleicht und direkt vom Betrachter gefühlt werden kann. Indem Sue Parry mit ihrer Technik neue, überraschende Blickwinkel auf den Werkstoff Glas eröffnet und ihm überraschende Facetten entlockt, zeigt sie uns ihre Sicht auf die Welt. 

Im Rahmen des „Artist in Residence“-Projektes entstand ein Dokumentarfilm über die Entstehung einiger Objekte von Sue Parry. Dieser Film gibt interessante Einblicke in die Arbeit und die Techniken der Künstlerin sowie in die teilweise notwendige handwerkliche Finisierung durch Mitarbeiter der Frauenauer Glashütte Valentin Eisch.